Ich möchte die Entscheidung des Skippers in der Situation nicht bewerten, denn dazu hätte ich dabei sein müssen. Aber es erinnert mich an einen Vorfall vor etlichen Jahren, als die Crew einer Segelyacht im Kvarner um Abbergung angesucht hat und eine Fähre zu Hilfe gekommen ist.
Eine Frau an Bord der Segelyacht wollte unbedingt als Erste geborgen werden und die Besatzung der Fähre hat es mit einer Seilbergung versucht, denn andere Mittel sind nicht zur Verfügung gestanden. Man hat also die Frau mit Seil und Bergegurt heraufgezogen, doch durch den sehr starken Seegang ist die Dame bei der Bergung mehrmals mit dem Kopf an der Bordwand so heftig angeschlagen, dass sie das leider nicht überlebt hat.
Die restliche Crew der Yacht hat dann von weiteren Bergeversuchen abgesehen und ist an Bord geblieben. Das Unwetter war aber so heftig, dass sie nach einiger Zeit neuerlich um Hilfe mit Abbergung angesucht haben. Wieder ist ein Schiff zu Hilfe gekommen und konnte die restliche Crew glücklicherweise unbeschadet von der Yacht bergen.
Aber – die Segelyacht wurde dann ca. 2 Wochen später mehr oder weniger „noch seetüchtig“ in Italien an einen Strand gespült. Es hätten also alle an Bord das Unwetter überlebt, wenn sie das Boot nicht aufgegeben hätten. Klar macht man da die Hölle durch, aber gerade eine Segelyacht übersteht schlimmstes Wetter, solange die Schoten dicht sind und kein Leck zu Wassereintritt führt.
Was ich jedoch mit Sicherheit nicht gemacht hätte, die Rettungsinsel „vorsorglich“ zu Wasser lassen, denn da wäre meine Sorge zu groß, dass ich das Ding im wichtigsten Moment aufgrund des Seegangs verliere. (ohne Ballast durch Insassen springt die Insel wie ein wild gewordener Geißbock durch die Wellen…) Ich würde also die Rettungsinsel erst zu Wasser lassen, wenn ich sicher bin, dass die Yacht in kürzester Zeit zum Untergehen verdammt ist und dann sofort einsteigen.
Auch wenn es beim aktuellen Fall kaum geholfen hätte – meine
Skipper-Tools haben wieder Zuwachs bekommen, und zwar mit einem
Windsimulator für die Adria sowie einem Tool für die
Deutung der Wolkenbilder am Himmel. Zwei Werkzeuge, die zumindest für Neulinge am Wasser sicher ganz hilfreich sein können.
Und bei der Gelegenheit noch was – viele Skipper sind an Bord das „Mädchen für alles“ und wissen meist nur allein, worum es bei all den Sachen geht. Aber wenn Ihr so ein „Mädchen“ seid, habt Ihr Euch schon mal darüber Gedanken gemacht, wenn Ihr selbst mal (z.B. durch Unfall, plötzliche Erkrankung etc.) zu einem Seenotfall werdet? Wer von der Crew kümmert sich dann um einen Notruf am Funk, wenn man am Handy keinen Empfang hat? Mit einer kurzen Einweisung samt „Spickzettel“ ist es im Ernstfall nicht getan!
Ich habe daher für alle Skipper, die selbst noch kein UKW-Seesprechfunkzeugnis haben, oder einfach nur möchten, dass auch ihre Crewmitglieder im Notfall richtige Notrufe abgeben können, einen
UKW-Seesprechfunkkurs online gestellt. (eine behördliche Prüfung braucht man freilich nur dann machen, wenn man auch eine amtliche Lizenz dazu haben möchte)
Jedenfalls wünsche ich Euch allen, dass Ihr niemals in eine Situation kommt, wie es gerade in der Adria geschehen ist!
Mast- & Schotbruch, aber stets eine Handbreit Wasser unterm Kiel wünscht Euch
Edwin