Ciao Karl-Otto!
karl-otto hat geschrieben:fetznfliaga hat geschrieben:...speziell bei Regattabedingungen, wo es nicht nur um den Zehntelkonten sondern auch die damit verbundene Höhe am Wind durch mehr Speed wichtig ist...
hab da jetzt ein verständnisproblem: hab eigentlich (auch auf grund eigener erfahrungen) geglaubt, dass mehr speed weniger höhe am (wahren) wind bringt (scheinbarer wind fällt bei höherem speed höher ein als bei niedrigerem speed, daher grösserer winkel am wahren wind), das is ja das problem, das kat´s haben, nämlich schneller, aber weiter fahren müssen, weil nich so hoch an den wahren wind gehen können...
vielleicht hab ich da an logischen fehler drin, bitte klär mich auf...
Du hast es bezogen auf die absoluten Schiffs-Werte (maximale Höhe am Wind). Ich habe es auf den gleichen Kurs bezogen, wenn ich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fahre, konstante Abdrift vorausgesetzt.
Was Du meinst, ist: Wie konstruiere ich ein Boot, das möglichst hoch und schnell am Wind segeln kann. Da gibt es Grenzen. Je höher desto langsamer, bis man keifen muß. Und irgendwann ist das Optimum erreicht, also maximale Höhe bei gutem Speed. Daß man auch die Windstärke (wie im Polardiagramm angegeben) berücksichtigen soll, lassen wir einmal außen vor.
Wenn ich bei ein und demselben Boot eine zusätzliche Bremse einbaue, z.B. Dinghi nachschleppen, Gang eingekuppelt und Schraube fest, dann segle ich einfach langsamer und habe einen schlechteren Winkel zum Wind. Das bedeutet, daß der Kurs über Grund schlechter ist.
Ich mach ein einfaches Rechenbeispiel (Abdrift konstant angesetzt, kein Strom): Koordinaten x --> (nach rechts, Osten), y ^ (hinauf, nach Norden)
FdW (Fahrt durch Wasser)
KzW (Kurs zum Wind)
WS (Windstärke)
Wind kommt von Süden. Schiff mit mitlaufender Schraube segelt nach Osten mit 10 kn (10, 0). Windabdrift ist nach Norden mit 1 kn, (0, 1). Dann habe ich nach einer Stunde segeln unter laborähnlichen, konstanten Halbwind-Bedingungen.
Zurückgelegter Weg: 10,0499 sm
Winkel zum Wind: 95,7392°
Das gleiche, nur die Schraube sei eingekuppelt, Schiff läuft nur mit 9,5 kn.
Zurückgelegter Weg: 9,5525 sm
Winkel zum Wind: 96,0090°
Man gewinnt alo gerundet 0,3°. Is zwar ned die Welt, aber erspart sich vielleicht unter laborähnlichen Regattabedingungen einmal anluven.
Das ganze bei 5kn (4,5kn), Windeinfall 45° bringt ca. 1,2°.
Jetzt kommen wir zum spekulativen Teil. Wie ist die Abdrift "wirklich" als mathematische Funktion realitätsnah zu definieren bzw. anzunehmen? Ist sie als Vektor bei jedem Halbwindkurs konstant (also FdW-unabhängig bei gleichem Kurs)? Wie sehr hängt die Abdrift vom Kurs ab (Regel: 7° hart am Wind, 5 ° Halbwind, 2° bei raumen Wind)? Oder muß man doch auch die Abhängigkeit FdW und Winkel zum Wind berücksichtigen und es ist somit eine 2-dimensionale Funktion (mathematisch ausgedrückt: Abdrift = f(KdW, KzW)). Gibt es noch weitere Parameter (auf ein und dasselbe Schiff bezogen)? Meiner Meinung nach die Windstärke. Die Abdrift hängt m.M.n. auch von der Windstärke ab. Damit wird's kompliziert, dann haben wir 3 Dimensionen.
Reicht Abdrift = f(KdW, KzW, WS) oder haben wir folgende Relation: Abdrift = f(KdW, KzW(WS)) oder f(KdW(WS), KzW(WS), WS). Ich plädiere für die 3. Möglichkeit, aber das ist jetzt subjektiv meine seglerische Einschätzung. Und da ist es dann aus mit der Theorie, das wird dann praktisch beim nächsten America's Cup (hoffentlich mit Monohulls) wieder empirisch belegt.

Wie die engültige Formel aussieht, wird aber trotzdem ein teures Geheimnis bleiben.
Hope that confuses,
Michael
Besser Segeleuphorie statt Midlife-Crisis. Besser Segelgroßmacht als Fußballzwerg.